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14. 09. 105. Philosophischer Zirkel am 6.10.2010
14. 09. 10Unser nächster Philosophischer Zirkel befasst sich noch einmal mit demThema
Menschenwürde
Mittwoch, 06.10.2010 um 19:00 Uhr
Technologiezentrum Bielefeld, Meisenstr. 96, 33607 Bielefeld
Schon beim 4. Zirkel ging es um die verschiedenen Aspekte dieses Begriffs. Es wurde deutlich, wie spannend und aktuell die Beschäftigung mit der Menschenwürde ist. Und so konnten wir gemeinsam angeregt diskutieren und feststellen, dass es sehr unterschiedliche Konzepte und gar nicht so viel Übereinstimmung gibt. Was verwundert, wenn man bedenkt, dass unser Grundgesetz auf dem Gedanken und Begriff der Menschenwürde aufsetzt. Wo man Konsens vermutet, entstehen bei genauerem Hinsehen mehr Fragen als Sicherheiten. Darum, und weil Jens Korff, der das Thema vorgeschlagen hatte, leider verhindert war, haben wir uns zu einer zweiten Runde entschlossen.
(Wer schon ein paar Gedanken vorab lesen möchte, findet unten einige Beiträge.)
Auch diesmal werden Frank Ehnes und ich das Thema vorbereiten. Nach einer kurzen Einführung werden wir das Gespräch eröffnen. Hier ein paar Fragen, die im Laufe des Abends diskutiert werden:
- Definition: Was ist Menschenwürde?
- Wer stellt Würde her?
- Wer garantiert Menschenwürde?
- Wie weit geht das Bedürfnis nach Würde und wo findet es seine Grenzen?
- Abgrenzung Menschenwürde – gibt es auch Tierwürde?
- Wo stößt Menschenwürde an ihre Grenzen?
- Wie gehe ich persönlich mit dem Thema Menschenwürde um?
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Auftakt (3) zum Thema Menschenwürde
8. 05. 10Hier wie angekündigt der 2. Text unseres Gastes:
Über Menschenwürde (2)
Zur Vorbereitung des Philosophiezirkels lese ich den Beitrag von Franz Josef Wetz: Illusion Menschenwürde? In dem von Christian Thies herausgegebenen Band »Der Wert der Menschenwürde« (Verlag Schöningh, Paderborn 2009). Dabei geht es nicht zuletzt um die christliche Begründung des Gedankens der Menschenwürde.
Marcus Tullius Cicero war der erste in der Antike, der allen Menschen eine unverwechselbare Würde zuerkannte, die er sowohl als Gestaltungsauftrag als auch als Wesensmerkmal der Menschen auffasste. Doch erst im Christentum setzte sich diese Sichtweise in Europa allgemein durch. Die Christen begründeten die Würde des Menschen mit dessen Gottebenbildlichkeit: Weil Gott den Menschen bei der Schöpfung nach seinem Bildnis formte und dadurch teilhaben ließ an seiner Vernunft und Macht, besitzt der Mensch einen absoluten Wert, der ihn von allen übrigen Kreaturen unterscheidet. Die Menschenwürde zeigt sich nach christlicher Auffassung im aufrechten Gang des Menschen, in seiner Personalität, seinem freien Willen, seiner unsterblichen Seele und seiner Vernunft, mit deren Hilfe er sich selbst, Gott und die Welt erkennen kann. Jesus bekräftigte den Gedanken in der Bergpredigt, als er lauter Menschen selig pries, die gewöhnlich verachtet oder verlacht werden: die da geistlich arm sind, die da Leid tragen, die Sanftmütigen, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit, die Barmherzigen, die reinen Herzens sind, die Friedfertigen (Neues Testament, Matthäus 5). Die Annahme der Christen, dass Gott in der Gestalt Jesu Mensch wurde, besiegelt das christliche Verständnis der Menschenwürde als Wesensmerkmal aller Menschen – im Unterschied zum Würde-Verständnis der Antike, bei dem die Würde stets das Ergebnis der individuellen Leistung oder des besonderen Standes einzelner weniger Menschen war.
1785 wandelte Immanuel Kant die christliche Begründung der Menschenwürde ab. Er schrieb in einem berühmten Satz in seiner »Grundlegung zur Metaphysik der Sitten«
Im Reich der Zwecke hat alles entweder einen Preis oder eine Würde. Was einen Preis hat, an dessen Stelle kann auch etwas anderes als Äquivalent gesetzt werden; was dagegen über allen Preis erhaben ist, mithin kein Äquivalent verstattet, das hat eine Würde…
Dieser absolute, innere Wert gebührt nach Kant allein dem Menschen, weil er ein Vernunftwesen und deshalb in der Lage ist, eine eigene Moral aufzustellen. Deshalb erhebt der Mensch mit Recht Anspruch auf Achtung von seinesgleichen und hat umgekehrt die Pflicht, andere Menschen zu achten. Er hat sogar die Pflicht, niemals vor anderen zu kriechen oder sich ihnen hündisch zu unterwerfen. Als Person soll der Mensch nach Kant niemals nur Mittel zum Zweck sein, auch nicht sich selbst gegenüber. Seine Würde verbietet ihm, sich selbst zu misshandeln, zu verkaufen oder gar zu töten. Dies entspricht der christlichen Auffassung, dass der Mensch nicht über das eigene Leben beliebig verfügen darf, da es Eigentum und Geschenk Gottes ist.
Man beachte den Widerspruch zu aktuellen Tendenzen in den Medien: Nach Auffassung der Befürworter von »Dschungelcamp« und ähnlichen Sendungen genügt die freiwillige Zustimmung der Betroffenen, um diese vor laufender Kamera demütigen und erniedrigen zu dürfen. Auch in der Frage der Selbsttötung gibt es inzwischen deutlichen Widerspruch zu der Auffassung Kants und der Christen.
Kant leitet die Menschenwürde aus der besonderen Fähigkeit der Menschen zu moralischer Selbstbestimmung ab. Diese äußert sich in ihrer Fähigkeit, sich von eigenen Begierden, Trieben und Instinkten zu befreien – hier finden wir eine Parallele zum Würde-Verständnis der Antike –, und in ihrer Fähigkeit sich vorzustellen, wie die Welt aussehen würde, wenn alle anderen sich genauso verhielten wie man selbst. Diese Sichtweise hat immer noch einiges für sich, auch wenn viele heute die Alleinstellung des Menschen und seine Selbstdefinition als außerhalb der Natur stehend kritisieren. Es geht in dieser Betrachtung nun einmal um die Menschenwürde. Wenn wir von Menschenwürde sprechen, bedeutet das nicht, dass wir eine Affenwürde, eine Schweinewürde, eine Eichenwürde nicht anerkennen.
Ein privater Exkurs zu Nietzsche: Nietzsche wandte sich ausdrücklich gegen die »Sklavenmoral« des Christentums und predigte, gestützt auf den Sozialdarwinismus seiner Zeit, eine »Herrenmoral« angehender »Übermenschen«. Er war der Auffassung, dass die Natur durch den »Kampf ums Dasein« und das »Überleben der Stärksten« einzelnen besonders befähigten Menschen das Recht verleihe, sich über die Interessen aller anderen Menschen rücksichtslos hinwegzusetzen. In seinem Zarathustra-Buch, das er eigens verfasste, um seine Philosophie zu popularisieren, hetzte er gegen das Gleichheitsideal der »kleinen Menschen«, das dem Herrschaftsanspruch des Übermenschen entgegenstand. Der sozialdemokratische Philosoph Franz Mehring deutete schon zu Lebzeiten Nietzsches diese Auffassungen als Rechtfertigungs-philosophie für besonders rücksichtslos, brutal, menschenverachtend und imperialistisch veranlagte Unternehmer und Offiziere. Nietzsche war ein Kind seiner Zeit: Als begeisterter Kavallerist war er 1870 in den Deutsch-Französischen Krieg gezogen und verherrlichte 1883 immer noch in seinem Zarathustra-Buch den Krieg als das, was alle Zwecke heilige. 1914 war dieses Buch die Leib- und Magenlektüre jener Gymnasiasten und Studenten, die sich freiwillig meldeten, um zu Tausenden auf den Feldern von Langemarck ins Maschinengewehrfeuer zu laufen.
Erst nach den furchtbaren Erfahrungen mit dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg, mit Nazidiktatur und Stalin-Terror wurde die Idee der Menschenwürde ab 1945 zur Basis von Grundrechte-Katalogen wie der UNO-Charta und des Grundgesetzes. Zuvor dienten christliche Werte oder der auf die Aufklärung zurückgehende Gedanke des Naturrechts zur Begründung der Menschenrechte. Da diese Begründungen stark eurozentrisch geprägt waren, wurden sie ab 1945 von der UNO durch eine nicht weiter begründete Menschenwürde ersetzt.
Franz Josef Wetz weist auf den Widerspruch zwischen der verfassungsmäßig garantierten weltanschaulichen Neutralität liberaler Staaten und der religiösen oder vernunftmetaphysischen Begründung der Menschenwürde als eines Wesensmerkmals aller Menschen hin. Er kommt zu dem Ergebnis, dass weltanschauliche Begründungen der Menschenwürde eine Privatsache der Menschen seien; Basis für die staatlich oder international geschützte Menschenwürde kann, so Wetz, nur eine Menschenwürde als Gestaltungsauftrag sein, als Norm, als Maßstab für den anzustrebenden Zustand des Gemeinwesens. Dieser aber äußert sich, so Wetz, letztlich in der Verwirklichung der Menschenrechte. Demnach ist in der Praxis nicht die Menschenwürde die Basis der Menschenrechte (wie es in Art. 1 des Grundgesetzes heißt), sondern umgekehrt: Menschenwürde entsteht durch Verwirklichung der Menschenrechte.
Fragwürdig erscheint mir hier Wetz’ Annahme, es könne so etwas wie weltanschaulich neutrale Werte, Normen und Staatswesen geben. Als Historiker neige ich zu der Ansicht, dass ein Grundgesetz mit seinen rinzipien stets das Ergebnis einer konkreten kulturhistorischen Entwicklung ist, in die unweigerlich und unauslöschlich z. B. christliche Glaubensbotschaften und metaphysische Annahmen von Aufklärungs-philosophen eingegangen sind.
Jürgen Habermas und andere Diskurs-Ethiker modernisierten die Kantsche Begründung der Menschenwürde ein wenig, indem sie sagten: Um mit anderen ein faires Gespräch oder einen Diskurs führen zu können, wozu wir als Menschen gewissermaßen verpflichtet sind, setzen wir voraus, dass der andere Diskurspartner eine Person mit eigener Würde ist. Das ist die Bedingung für einen herrschafts-freien Diskurs.
Was das Konzept der Menschenwürde in neuester Zeit gefährdet, sind u. a. die Überinterpretation von Erkenntnissen der Genetik und der Neurowissenschaften sowie die ethischen Streitfragen im Zusammenhang mit Biotechniken. Es ist zum Beispiel Mode geworden, aus der Tatsache, dass im Gehirn chemische Prozesse ablaufen, zu schließen, dass die Annahme eines freien Willens eine Illusion sei, dass wir in Wirklichkeit gewissermaßen von Molekülen in unseren Gehirnen fremdbestimmt würden. Als Historiker fällt mir auf, dass die Existenz von Synapsen und von angeborenen menschlichen Verhaltensweisen schon seit Jahrzehnten bekannt ist (auch mir persönlich), ohne dass solche Schlussfolgerungen daraus gezogen worden wären. Dass das jetzt plötzlich geschieht, dürfte mehr mit aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen zusammenhängen als mit neuen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen. Zu untersuchen wäre auch, ob die modernen Abschaffer des freien Willens und damit der Menschen-würde in ihrer naturalistischen Argumentation (so nennt Wetz das) nicht den Inhalt der Botschaften (des Denkens und Fühlens der Menschen) mit ihrem Medium verwechselt haben.
Peter Sloterdijk schlug 1999 in seiner berüchtigten Elmauer Rede (»Regeln für den Menschenpark«; — Wikip.) einen assoziativen Bogen, der das Konzept der Menschenzüchtung von Platon über Nietzsche und Heidegger bis zu Biotechnologen heutiger Tage verfolgte. Sloterdijk schritt er in seiner Rede historisch rückwärts und zitierte Äußerungen, mit denen heutige Genetiker und die drei Philosophen (Heidegger 1945, Nietzsche um 1885 und Platon um 350 v. Chr.) den Humanismus (im Sinne des Konzepts einer universalen Menschenwürde) für obsolet oder illusorisch erklären. Daraus folgt (in Sloterdijks Kompilation) auf all diesen vier Stationen der frevelhafte und größenwahnsinnige Gedanke, eine kleine Elite auserwählter, vorgeblich allwissender Diktatoren könne das Recht haben, sich durch gezielte Menschenzüchtung eine gehorsame Menschheit heranzuziehen – wobei Sloterdijk seine eigene Haltung zu dem Komplex merkwürdig offen ließ. Diese Position markiert das Gegenteil von Menschenwürde.
Toni Kalverbenden, Mai 2010 http://tonikalverbenden.blogspot.com
1 Christian Thies (Hg.): Der Wert der Menschenwürde. Paderborn 2009 (Schöningh)
Neu in der Bücherliste
4. 05. 10frisch aufgenommen:
Bernhard H. F. Taureck
Die Menschenwürde im Zeitalter ihrer Abschaffung
Eine Streitschrift
Merus-Verlag
Christian Thies (Hg.)
Der Wert der Menschenwürde
Verlag Schöningh
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frisch
Auftakt (2) zum Thema Menschenwürde
4. 05. 10Vielen Dank an den Themengeber unseres nächsten Zirkels.
Mit dem folgenden Text steuert er- als Besprechung einer Buchbesprechung- seinen eigenen Auftakt zu der Veranstaltung bei:
Über Menschenwürde (1)
Zeit-Autor Jens Jessen besprach im Juli 2009 ein von Christian Thies herausgegebenes Buch mit mehreren Beiträgen über die Menschenwürde(1). Seine Rezension beginnt mit dem zynischen Bonmot – besser gesagt, Malmot: Die Menschenwürde sei etwas, auf das sich jeder berufen könne, ohne eine Ahnung davon zu haben, wovon er spreche. In Zeit Online wurden die Leser aufgefordert, ihre Haltung zur Menschenwürde zu definieren. Wohlan denn!
Ja, die Menschenwürde steht per definitionem allen Menschen gleichermaßen zu, auch den Verbrechern. Warum ist das so? Weil jeder Mensch einmalige Fähigkeiten besitzt, darunter auch einmalige Fähigkeiten, anderen Menschen Gutes zu tun. Auch ein Verbrecher kann einem Mitmenschen ein Lächeln schenken, ein Kind vor dem Ertrinken retten oder einen Freund von einer Dummheit abhalten. Der Achtung dieser einmaligen Fähigkeiten eines jeden Menschen dient unser Konzept der Menschenwürde.
Die religiöse Herleitung der Menschenwürde läuft auf den gleichen Gedanken hinaus: Für Gläubige gebührt jedem Mitmenschen die gleiche Menschenwürde, weil alle Menschen Geschöpfe Gottes sind und von Gott geliebt werden – jeder auf seine Art.
Betrachten wir den von Jessen zitierten Fall, den Befürworter der Folter gerne heraufbeschwören: Darf die Polizei einen gefangenen Geiselnehmer foltern, um das Versteck der Geiseln herauszufinden und die Geiseln zu befreien, ehe sie von den Komplizen ermordet werden? Kann man die Menschenwürde des Gefangenen gegen die Menschenwürde der Geiseln ausspielen? Das kann man nicht; darin sind sich die Philosophen der Menschenwürde weitgehend einig. Warum nicht?
Der Extremfall macht deutlich, dass die Menschenwürde etwas ist, das die Gesellschaft ihren einzelnen Mitgliedern zubilligt – oder, andersherum gesehen: dessen Achtung bei jedem einzelnen Menschen eine Grundlage der demokratischen Gesellschaft ist. So gesehen steht die Menschenwürde des Gefangenen gar nicht in einem Gegensatz zur Menschenwürde der Geiseln. Denn selbst wenn die Geiseln im schlimmsten Fall getötet werden, bleibt die Menschenwürde, die die Gesellschaft ihnen zubilligt, davon unberührt. Es sind nur einige wenige Menschen, die Geiselnehmer, die die Menschenwürde der Geiseln verletzt haben; übrigens schon durch die Geiselnahme und nicht erst durch den Mord. Die Gesellschaft als Ganzes dagegen hält an der Menschenwürde der Geiseln fest und achtet sie, notfalls auch über ihren Tod hinaus. Ganz anders, wenn die Gesellschaft, vertreten durch die Polizei, den gefangenen Geiselnehmer foltert. In diesem Fall ist es die Gesellschaft, die einem ihrer Mitglieder seine Menschenwürde raubt.
Menschenwürde wird weniger durch das Töten eines Menschen verletzt als durch die Erniedrigung eines Menschen. Wenn ein Mensch, z. B. eine Geisel, ermordet wird, ist es vor allem der Moment kurz vor dem Tod, der seine Menschenwürde verletzt: die Todesangst, in der das Opfer vielleicht um Gnade fleht und sich auf diese Weise gegenüber dem Geiselnehmer erniedrigt. Denn Menschenwürde ist, wie gesehen, die Grundlage dafür, dass Menschen einander auf gleicher Augenhöhe begegnen. Sie wird verletzt in allen Situationen extremer Ungleichheit zwischen zwei Menschen, in allen Situationen, in denen ein Mensch einem anderen schutzlos ausgeliefert ist. Diese Tatsache spiegelt sich in den schweren psychischen Traumata, die die meisten Opfer von Vergewaltigungen, von Folter, von Prügelorgien oder Opfer, die bewusst und lange in Todesangst versetzt wurden, davontragen. Die Menschenwürde dieser Opfer wurde so nachhaltig erschüttert, dass die Gesellschaft erhebliche Anstrengungen unternehmen muss, um sie wiederherzustellen. Stattdessen aber neigen viele Menschen dazu, sich von überlebenden Gewaltopfern zurückzuziehen, was den Schaden vergrößert.
Jessen wunderte sich über die Fragestellung, ob Armut die Menschenwürde beeinträchtigen könne. Offenbar hat er noch nie sein Herz für die zweite Strophe des „Stempelliedes“ von David Weber und Hanns Eisler geöffnet. Weber dichtete 1929, zu Beginn der großen Arbeitslosigkeit in Berlin:
Ohne Arbeit, ohne Bleibe / biste null und nischt / Wie ‘ne Fliege von der Scheibe / wirste wegjewischt. Ohne Pinke an der Panke / stehste machtlos da, / und der Bourgeois / sagt „Danke!“, / rückste ihm zu nah. Äußerst schnell schafft / de Jesellschaft / Menschen uff’n Müll…
So fühlt es sich an, wenn eine Gesellschaft einen Teil ihrer Mitglieder ins Ghetto von Arbeitslosigkeit und Armut abschiebt. Die Menschenwürde der Betroffenen geht vor die Hunde.
Toni Kalverbenden, Juli 2009
(1) Christian Thies (Hg.): Der Wert der Menschenwürde. Paderborn 2009 (Schöningh)
Ein weiterer Text folgt später in einem gesonderten Artikel.
4. Philosophischer Zirkel am 5.5.2010
4. 05. 10Nach längerer Pause findet unser Philosphischer Zirkel wieder statt.
Thema: Menschenwürde
Mittwoch, 5.5.2010 um 19:00 Uhr
Technologiezentrum Bielefeld, Meisenstr. 96, 33607 Bielefeld
Frank Ehnes und ich bereiten das Thema wie üblich vor und eröffnen nach einer kurzen Einführung das Gespräch. Hier ein paar Fragen, die im Laufe des Abends diskutiert werden:
- Definition: Was ist Menschenwürde?
- Wer stellt Würde her?
- Wer garantiert Menschenwürde?
- Wie weit geht das Bedürfnis nach Würde und wo findet es seine Grenzen?
- Abgrenzung Menschenwürde – gibt es auch Tierwürde?
- Wo stößt Menschenwürde an ihre Grenzen?
- Wie gehe ich persönlich mit dem Thema Menschenwürde um?
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Auftakt zum Thema ‘Glück’
12. 03. 09Bevor die Moderatoren des Philosophischen Zirkel die nächste Runde zum Thema ‘Glück’ einläuten, hier schon einmal ein Gedanke von Hans Siegmann, Teilnehmer des Zirkels:
“Für mich entsteht Glück als Gefühl aus dem Auf und Ab des Lebens. Alles ist Schwingung und gewisse Bereiche der Schwingung empfinden wir als Glück und andere eben nicht. Das Glücksgefühl könnte die Übergangsphase von tiefer Schwingung in höhere Schwingung kennzeichnen oder es könnte den Höhepunkt der Amplitude erfahren lassen, oder Beides?
Die für mich logische Konsequenz daraus wäre, dass Glück ohne die Gegenschwingung des Unbehagens gar nicht empfunden werden kann.
Vielleicht ist Glück aber auch das Ende der Auf und Ab-Schwingungen oder ist das der Tod und…ist der Tod ein Glück?
Wie immer in unserem Menschsein:
Alles hat zwei Seiten!
Welch ein Glück, wenn man beide Seiten betrachten und annehmen kann”
Vielen Dank für diesen Beitrag, Hans.
‘Glück als Gefühl’ fällt mir auf. Ja, manchmal haben wir Glück (und fühlen uns dabei höchstens erleichtert, zum Beispiel, wenn wir Glück im Unglück haben) und manchmal fühlen wir uns glücklich, obwohl objektiv gesehen nichts dafür spricht.
Es scheint also mindestens zwei Arten von Glück zu geben: den glücklichen Zufall, der sich unserem Zugriff entzieht, und das Gefühl des Glücks, das wir empfinden, wenn wir uns als Teil dieser Welt erleben, vielleicht im gelingenden eigenen Handeln, im Kontakt zu anderen Menschen (oder auch Tieren), beim Betrachten der uns umgebenden Welt.
In beiden Fällen haben wir es in gewisser Weise selbst in der Hand, Glück zu empfinden: Es ist unsere Entscheidung, wie wir die Welt sehen und erleben, ob wir die Defizite oder die Qualitäten in unseren Fokus nehmen.
“Der Tod ein Glück?” Wer kann das wissen? Das würde voraussetzen, dass es danach weiter geht.
Der Tod des Glücks im ewig Gleichen: ja, da stimme ich zu. Ohne ‘Gegenschwingung’ ist Glück nicht mehr von Belang, wird fade oder schlägt gar ins Gegenteil um.
Was die Aufgehobensein in der Welt betrifft, zitiere ich noch einmal Hans Siegmann:
Für ein nachhaltiges Glücksgefühl sorgt bei mir die Erkenntnis, dass es übergeordnet EIN WOHLGEORDNETES GANZES gibt, an dem ich/jeder teilhat.
Am besten finde ich diese Sicht wieder in einem bayrischen Volkstück in dem der Held zu folgender Erkenntnis kommt:
„Du g`hörst zu dem all`n
Dös all`s g`hört zu Dir
Es kann Dir nix g`schehn!“
Ich wünsche Euch/Ihnen/uns, dass viel Gutes g´schehn — und g´sehn — wird.
Beste Grüße
Sabine Behle
Neu in der Bücherliste
26. 02. 09frisch aufgenommen:
Wilhelm Schmid
Glück
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frisch